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Was ist Geld — und was ist von einem Euro geblieben?

Die Zahlen auf dieser Seite werden bei jedem Aufruf frisch aus der Datenbank der Europäischen Zentralbank geholt. Frisch geholt heißt aber nicht bei jeder Reihe frisch gerechnet: Die Geldmengen laufen monatlich weiter, der deutsche Verbraucherpreisindex nicht — die EZB hat den ICP-Datensatz zum 04.02.2026 aufgegeben, die Reihe endet mit Dezember 2025. Das steht an jeder betroffenen Zahl und unten in den Quellen. Jede Angabe hat eine Quelle mit Datum. Wo eine verbreitete Behauptung über die Daten hinausgeht, steht das hier ausdrücklich dabei.

Daten werden geladen …

1 · Kaufkraft-Rechner

Der Verbraucherpreisindex für Deutschland (HICP) misst, was ein Warenkorb kostet. Steigt er, kauft derselbe Betrag weniger. Der Rechner nutzt echte Jahresmittel aus der EZB-Datenbank — keine Schätzung, keine Faustformel. Genau deshalb endet er auch dort, wo die Daten enden: Das jüngste vollständige Jahr ist 2025, weil die EZB die Reihe zum 04.02.2026 eingestellt hat. Fortgeschrieben wird hier nichts.

1996
19962024

Von 100 € aus jenem Jahr sind heute übrig
Kaufkraftverlust seit dem Jahr

Wichtig für die Einordnung: Der Index misst Preise, nicht Wohlstand. Ob jemand sich mehr oder weniger leisten kann, entscheidet der Reallohn — der Lohn geteilt durch diesen Index. Dazu unten mehr, Abschnitt 6.

2 · Wie viel Geld gibt es?

Die EZB zählt Geld in Stufen. M1 ist das sofort verfügbare Geld (Bargeld plus Guthaben auf dem Girokonto). M3 ist die weite Abgrenzung und enthält zusätzlich Termin- und Spareinlagen sowie kurzfristige marktfähige Papiere. Der Bargeldumlauf sind die tatsächlich umlaufenden Scheine und Münzen.

M3 — weite Geldmenge
Euroraum
M1 — sofort verfügbar
Euroraum
Bargeldumlauf
Euroraum

Der größte Teil des Geldes ist gedruckt worden — aber nie auf Papier

Buchgeld: Guthaben, also eine Forderung gegen eine Bank Bargeld: Scheine und Münzen

Ehrlich gerechnet: Der linke Teil ist „M3 minus Bargeld“. Das sind ganz überwiegend Sichteinlagen — also Buchgeld —, enthält aber auch Termin- und Spareinlagen sowie Geldmarktfondsanteile. Gemeinsam ist ihnen: Es sind Forderungen gegen ein Institut, keine Scheine im Tresor.

3 · Woher kommt das Buchgeld?

Die verbreitete Erzählung lautet: Eine Bank sammelt Spareinlagen ein und verleiht dieses Geld weiter. So funktioniert es nicht — und das sagen nicht Kritiker, sondern die Zentralbanken selbst. Der Durchlauf zeigt, was bei einer Kreditvergabe wirklich passiert.

Aktiva der Bank

    Passiva der Bank

      Beleg. Deutsche Bundesbank, Monatsbericht April 2017, Aufsatz „Die Rolle von Banken, Nichtbanken und Zentralbank im Geldschöpfungsprozess“. Und Bank of England, Quarterly Bulletin 2014 Q1, „Money creation in the modern economy“. Beide Notenbanken widersprechen darin ausdrücklich der Vorstellung, Banken reichten vorhandene Ersparnisse weiter oder vervielfachten Zentralbankreserven nach einem festen Multiplikator. Das Geld entsteht mit dem Kredit — und verschwindet mit der Tilgung wieder.

      4 · Was die Bremsen sind

      Aus „Banken schaffen Geld per Buchung“ folgt nicht „Banken können unbegrenzt Geld schaffen“. Diese Grenzen wirken tatsächlich:

      Mindestreserve
      1 % im Euroraum (seit 18.01.2012, davor 2 %)

      Banken müssen einen Bruchteil bestimmter Einlagen bei der Zentralbank halten. Bei 1 % ist das keine ernsthafte Schranke — und die Reserven werden ohnehin nachträglich beschafft, nicht vorher angespart.

      Eigenkapitalvorschriften
      die heute bindende Grenze

      Jeder Kredit muss mit Eigenkapital unterlegt werden, gestaffelt nach Risiko (Basel III / CRR). Das Eigenkapital ist knapp und teuer. Hier endet die Kreditvergabe in der Praxis — nicht bei der Reserve.

      Kreditnachfrage
      es braucht jemanden, der sich verschuldet

      Ohne kreditwürdigen Schuldner, der zum geltenden Zins zahlen will und kann, entsteht kein Kredit — und damit kein Geld. In schwachen Jahren schrumpft die Kreditvergabe, obwohl Banken „könnten“.

      Zentralbankzins
      der Preis, an dem alles hängt

      Die EZB setzt den Zins, zu dem Banken sich refinanzieren. Er wirkt auf Kreditzins und Nachfrage — das zentrale Instrument, mit dem die Geldschöpfung gesteuert wird.

      Die Bilanz daraus: Die Reserve ist niedrig, aber die Geldschöpfung ist trotzdem nicht frei. Wer die 1 % als Beweis für Schrankenlosigkeit anführt, hat die falsche Schranke im Blick.

      5 · Geldmenge gegen Verbraucherpreise

      Beide Reihen sind im Startjahr auf 100 gesetzt, damit man den Verlauf vergleichen kann.

      Geldmenge M3, Euroraum Verbraucherpreise Deutschland (HICP)

      Warum die Linien auseinanderlaufen

      Die Geldmenge ist deutlich stärker gewachsen als die Verbraucherpreise. Daraus folgt nicht, dass die eine Linie die andere im Verhältnis eins zu eins nach oben zieht. Der Zusammenhang ist locker, und dafür gibt es nachvollziehbare Gründe:

      Kurz: Die Grafik zeigt einen realen, großen Unterschied im Wachstumstempo. Sie zeigt keine bewiesene Ursache-Wirkungs-Kette. Wer sie als solche verkauft, geht über die Daten hinaus.

      6 · „Unser Geld ist wertlos“ — was daran stimmt und was nicht

      Dieser Satz fällt oft. Er ist teils belegbar und teils falsch. Beide Seiten gehören nebeneinander, sonst wird aus Aufklärung Stimmungsmache.

      stimmt

      • Der Kaufkraftverlust ist real und politisch gewollt. Die EZB strebt ausdrücklich 2 % Inflation über die mittlere Frist an — nicht null. Ein dauerhaft langsam sinkender Geldwert ist also kein Betriebsunfall, sondern das erklärte Ziel. Wie viel das über Jahrzehnte ausmacht, zeigt der Rechner oben.
      • Guthaben auf dem Konto ist kein Eigentum an Geld. Es ist eine Forderung gegen ein privates Unternehmen. Nur Bargeld ist unmittelbar Zentralbankgeld in Ihrer Hand.
      • Im Insolvenzfall greift die Einlagensicherung nur bis 100.000 € je Kunde und Institut (gesetzliche Sicherung, EU-weit einheitlich). Wer mehr auf einem Konto hält, trägt darüber hinaus das Risiko der Bank mit. Der Vollständigkeit halber, weil es entlastet: Nach § 8 Abs. 2 EinSiG sind Beträge aus bestimmten Lebensereignissen — unter anderem Immobilienverkauf, Heirat, Scheidung, Renteneintritt, Kündigung, Geburt, Krankheit, Invalidität und Erbfall — für sechs Monate ab Gutschrift bis zu 500.000 € gedeckt. Die 100.000 € sind also die Dauergrenze, nicht die Grenze in jeder Lage.

      stimmt nicht

      • „Wertlos“ ist die falsche Vokabel. Gemessen wird ein Verlust, keine Wertlosigkeit. Ein Euro kauft heute real weniger als 1996 — er kauft aber weiterhin etwas, und der Umfang steht oben als Zahl. Verlust und Nullwert sind zwei verschiedene Aussagen.
      • Hyperinflation ist im Euroraum nicht eingetreten. Der Spitzenwert der Teuerung lag 2022 im knapp zweistelligen Bereich und ist danach zurückgegangen. Der Vergleich mit 1923 beschreibt eine andere Größenordnung.
      • Löhne sind über lange Zeiträume mitgestiegen. Deshalb ist die relevante Größe der Reallohn — Lohn geteilt durch Preisindex —, nicht der Preisindex allein. Wer nur die Preise zeigt, zeigt die halbe Rechnung.
      Was hier bewusst nicht steht. Diese Seite gibt keine Empfehlung, Gold, Krypto, Immobilien oder irgendeine andere Anlage zu kaufen. Der Nachweis eines Kaufkraftverlusts ist kein Nachweis, dass ein bestimmtes Gegenmittel funktioniert — das wäre ein eigener Beleg, den diese Seite nicht führt. Sie informiert und rechnet offen; sie berät nicht. Keine Anlage- und keine Steuerberatung.

      Quellen

      1. EZB Data Portal — Geldmengen M1/M3 und Bargeldumlauf (Datensatz BSI), Verbraucherpreisindex Deutschland (Datensatz ICP). Über die offene SDMX-Schnittstelle abgerufen.
      2. Der Preisindex ist eine eingestellte Reihe. Die verwendete Reihe ICP/M.DE.N.000000.4.INX wird nicht mehr fortgeschrieben und endet mit Dezember 2025. Den Grund schreibt die EZB in das Feld OBS_COM derselben Datenzeilen, die diese Seite ausliest: Zum 4. Februar 2026 ändert Eurostat die Methodik des HICP; am selben Tag gibt die EZB den bisherigen ICP-Datensatz auf und ersetzt ihn durch einen neuen HICP-Datensatz. Folge für den Rechner oben: „Heute“ bleibt das Jahr 2025 und altert weiter, je länger der 04.02.2026 zurückliegt — die Seite weist das Alter der Reihe deshalb in Monaten aus, statt es stillschweigend hinzunehmen. Der Kaufkraftverlust bis zum echten Heute ist entsprechend größer als hier gezeigt. Eine geschätzte Fortschreibung wäre keine belegte Zahl mehr und findet hier nicht statt. Reihe im Rohformat prüfen (CSV, Spalte OBS_COM)
      3. Deutsche Bundesbank, Monatsbericht April 2017 — „Die Rolle von Banken, Nichtbanken und Zentralbank im Geldschöpfungsprozess“.
      4. Bank of England, Quarterly Bulletin 2014 Q1 — „Money creation in the modern economy“.
      5. EZB — Mindestreserve (Reservesatz 1 % seit der Erfüllungsperiode ab 18.01.2012).
      6. BaFin — Einlagensicherung (gesetzlicher Schutz bis 100.000 € je Kunde und Institut).
      7. § 8 Einlagensicherungsgesetz (EinSiG) — Deckungssumme 100.000 € (Abs. 1) und die zeitweise erhöhte Deckung bis 500.000 € für sechs Monate nach bestimmten Lebensereignissen (Abs. 2).

      Alle Zahlen dieser Seite stammen aus den genannten Primärquellen und werden bei jedem Aufruf frisch geladen (Zwischenspeicher 24 Stunden, um die EZB-Schnittstelle nicht unnötig zu belasten). Rechenweg und Datenstand stehen jeweils an der Zahl. Frisch geladen heißt: der Abruf ist aktuell — nicht zwingend die Reihe dahinter. Die Geldmengen werden monatlich fortgeschrieben, der Preisindex seit Dezember 2025 nicht mehr (siehe Punkt 2). Diese Seite überträgt die Frische des Abrufs deshalb nicht auf die Daten.